«inzwischen gibt es auch den krug, mit dem höchsten anspruch an ästhetik, der aber gleichzeitig nicht mehr zum einschenken taugt. er stammt von aldo rossi und müßte deshalb die form eines Turmhelms haben, mit einem fähnchen drauf. ganz so ist er nicht, aber ziemlich ähnlich. er besteht aus einem kegel- förmigen behälter, der im schnitt ein gleichseitiges dreieck bildet, an den ein griff, eine horizontale und eine vertikale bildend, angepunktet ist. der kegel ist oben durchschnitten, der obere teil bil- det den deckel. statt eines fähnchens sitzt auf der spitze eine kleine kugel, besser zum anfassen.
das ding ist wunderschön, aber bar jeder gebrauchsfähigkeit. in einem zeit- alter der repräsentativen existenz, das wissen wir, wird natürlich das ästhetische zum selbstzweck. nach dem gebrauch zu fragen, ist fast unanständig. nichts eignet sich zur selbstdarstellung heute besser als das erscheinungsbild, die ästhetische form. in der ästhetik er- scheint das ding an sich.
dieser krug von aldo rossi ist der krügste krug von allen krügen, er ist der krug an sich. nur kann man mit ihm nicht mehr einschenken. einen zylindrischen krug muß man um 90° neigen, um ihn ganz zu leeren. und schon dabei macht die hand eine bewegung, die schon nicht mehr aus dem handgelenk zu machen ist, man muss auch den ellenbogen an- heben. bei dem krug von rossi müßte man sogar aufstehen und über die schulter anheben, um die 120° neigung zu erreichen, die man mindestens haben muß, um ihn zu leeren […]»

reference:der nicht mehr brauchbare gebrauchsgegenstand